LEBENSZEICHEN

Gottesdienst feiern,

auch wenn kein Gottesdienst ist.

Am Sonntag Judika – 29. März 2020

Auch an diesem Sonntag bleiben die Kirchentüren leider geschlossen. Dafür gehen die „Lebenszeichen“ in die zweite Runde, denn wir können auch zu Hause Gottesdienst feiern. Das ist schon eine Menge Wert! Wenn wir dabei Gottes Nähe spüren und erleben, können unser Herz und unsere Gedanken ein wenig Ruhe finden. Um 9:25 Uhr läuten die Glocken der St.- Christophorus-Kirche und laden zum Gottesdienst im ZDF ein.

Bis wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können, grüßen wir Sie herzlich,

Ihr Pastorenehepaar

Margot und Bernhard Haffke

 

Die folgende Andacht wurde von Pastor Simon Pabst aus Groß-Berkel verfasst.

 

Wir zünden eine Kerze an.

Das Kerzenlicht erfüllt den Raum.

Wir schauen in die Flamme – genießen das Licht.

Wir atmen ein … wir atmen aus … immer wieder.

Wir sind hier. – Gott ist hier. – Das genügt.

Ein neuer Tag hat begonnen. Was wird er uns bringen?

Neue Nachrichten, neue Fragen, oder Antworten.

Gott, ich nehme diesen Tag, mit allem, was er bringt,

aus Deiner Hand.

Segne mich und lass mich zum Segen werden. Amen.

Ein Lied singen: Singen tut gut, selbst wenn ich allein für mich singe.
Es reicht, auch den Liedtext zu sprechen oder die Melodie zu summen. – Zum nachfolgenden Psalm für diesen Sonntag passt das Lied „Harre, meine Seele“ – Evangelisches Gesangbuch Nr. 593 – oder ein anderes Lied auswählen, vielleicht eines, das alle auswendig können.

Einen Psalm beten – Psalm 43:

Im Gesangbuch Nr. 724 – oder in einer anderen Übersetzung:

Verhilf mir zu meinem Recht, Gott!

Vertritt mich vor Gericht gegen das Volk,

das sich nicht an deine Gebote hält!

Errette mich vor falschen und bösen Menschen!

            Ja, du bist der Gott, der meine Zuflucht ist!

            Warum hast du mich nur verstoßen?

Warum muss ich so traurig durchs Leben gehen,

bedrängt von meinem Feind?

            Sende dein Licht und deine Wahrheit!

            Sie sollen mich sicher führen.

            Sie sollen mich zu dem Berg bringen,

            wo dein Heiligtum ist, deine Wohnung.

Dann will ich vor den Altar Gottes treten,

vor Gott, den Grund meiner unbändigen Freude.

Zur Musik der Leier will ich Gott danken,

dir meinem Gott.

            Was bist du so bedrückt, meine Seele?

            Warum bist du so aufgewühlt?

Halte doch Ausschau nach Gott!

Denn gewiss werde ich ihm noch danken.

Wenn ich nur sein Angesicht schaue,

hat mir mein Gott schon geholfen.

Amen.

S T I L L E

Gedanken zu Psalm 43:

Schon viele hundert Jahre ist es her, dass dieser Psalm zum ersten Mal gesprochen wurde. Der erste Beter lebte in einem anderen Land und ganz anderen Umständen. Seine Feinde bedrängen ihn. Das macht ihm zu schaffen. Diese Menschen verhalten sich gegenüber Gottes Geboten gleichgültig. Dabei sollen diese doch für ein gutes Miteinander sorgen. Die Witwen und Waisen, die Fremden, die Armen im Land: niemand soll benachteiligt werden. Alle sollen ausreichend haben, um leben zu können.

Der Beter hat das Gefühl, als habe sein Gott ihn verstoßen. Trotzdem wendet er sich an ihn. Denn er spürt, dass das nicht sein kann. So erhofft er von Gott Hilfe für eine Wendung zum Besseren. Wenn seine derzeitige Situation ausgestanden ist, will er Gott loben und danken. Jetzt aber heißt es aushalten, ausharren, so schwer das auch fällt.

Ich habe keine Ahnung, wer die Worte des Psalms verfasst hat. Dennoch sind mir diese Worte ganz nah. Die letzten Tage waren eine Belastung, auch seelisch bedrückend.

Ich erlebe einen bisher ungekannten Kampf gegen einen unsichtbaren Feind. Mein Leben wurde auf eine Weise eingeschränkt, mit der vor einigen Wochen niemand gerechnet hätte. Es wurden Anordnungen erlassen, die meinen Alltag auf den Kopf gestellt haben. Voller Unverständnis höre und lese ich, wie Menschen diese Vorschriften zum Teil missachten. Wie bei Gottes Geboten geht es nicht darum, die Freude am Leben zu verderben, sondern Leben zu erhalten und retten. Besonders die schwächeren Glieder unserer Gesellschaft bedürfen des Schutzes. Das geschieht, indem ich mich zurücknehme. Ich will, dass das Virus aufgehalten wird!

Toilettenpapier wird gehamstert, als hätten alle Durchfall. In Krankenhäusern werden lebensnotwendige Desinfektions-mittel und Schutzkleidung geklaut. Wut steigt in mir hoch! Wie können Menschen anderen Menschen so etwas nur antun? Ich finde mich in den Anfangsworten des Psalmes wieder. Ich wünsche mir, dass Gott eingreift.

Und dann ist da noch ein ganz anderes Gefühl in mir. Der Psalmbeter wünscht sich, vor Gottes Altar treten zu können, um ihn mit unbändiger Freude zu loben.

Ich spüre die Sehnsucht nach Gemeinschaft mit anderen Menschen, nach einer Normalisierung der Lage. Vermutlich wird es eine Anfechtung für mich werden, wenn die Karwoche kommt und ich weiß, dass ich nicht in gewohnter Weise den Gründonnerstag und Karfreitag begehen kann und dass die Osternacht und die Festgottesdienste ausfallen müssen.

Ich brauche Gott, dass er mir dann und schon heute Kraft und Zuversicht schenkt. Ich vertraue darauf, dass diese Zeit des Trübsals zeitlich begrenzt sein wird. In mir lebt schon die Vorfreude auf die kommende Zeit, wenn wir vor Freude Gott danken werden, dass alles überstanden und durchgestanden ist. Dieser Tag ist noch nicht heute und wird auch nicht morgen sein. Aber ich bin gewiss, dass er kommen wird. Und ebenso weiß ich, dass ich dann nicht wie der Beter des Psalmes zur Leier oder Harfe greifen werde, um Gott ein Loblied zu singen, sondern dass sich meine Freude anders Bahn brechen wird.

Bis dahin will ich nach Gott Ausschau halten! Amen.

Ein Lied singen: Wir können den Liedtext auch sprechen oder die Melodie summen. – „Du, meine Seele, singe“ – Evangelisches Gesangbuch Nr. 302 – oder jedes andere Lied, vielleicht eines, das alle auswendig können.

Fürbitten

Gott, wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir sind verbunden mit dem Himmel. Wir bringen vor dich, was uns beschäftigt. Was Sorgen macht. Und wir bringen dir unseren Dank.

Stille

Wir danken dir, dass es genug zu essen gibt, auch wenn manche Regale in den Supermärkten gerade leer sind.

Wir danken dir für Gesundheit. Es könnte schlimmer sein. Wir danken dir für die Menschen, die in diesen Tagen auf der Arbeit stark gefordert sind. Schenke ihnen Momente zum Aufatmen und lass sie Dankbarkeit erfahren.

Wir bitten dich für alle, die derzeit so handeln, als würde die gesamte Versorgungslage zusammenbrechen. Schenke ihnen Gelassenheit und Augen für ihre Mitmenschen.

Wir bitten dich um deine wohltuende Nähe für die Menschen, um die wir uns Sorgen machen.

Wir bitten für uns um einen gesunden Schlaf in der Nacht, dass die Nachrichten und Eindrücke des Tages zurücktreten und Leib und Seele Erholung und neue Kraft finden.

Stille

Gott, wir sind mit dir verbunden. Und wir sind miteinander verbunden. In Gedanken, aber vor allem: im Herzen. Wir beten zu dir mit den Worten die uns alle verbinden:

Gemeinsam beten wir alle das Vater Unser

Segen

Wir öffnen die Hände öffnen und sprechen laut:

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

Kerze auspusten nicht vergessen!

Das ist eine Empfehlung für all die, die gern am Sonntag einen Gottesdienst feiern, auch wenn kein Gottesdienst in der St. Christophorus-Kirche  oder sonst irgendwo stattfindet.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, Andacht zu halten, den Alltag zu unterbrechen und sich im Gebet mit anderen in der Kirchengemeinde und weltweit verbunden zu fühlen:

  • Beten kann man zu jeder Zeit
  • Jeden Sonntag um 9:30 Uhr sind wir eingeladen, im ZDF Gottesdienst zu feiern – dazu läuten in den kommenden Wochen auch die Glocken.
  • Jeden Morgen um 6:17 Uhr und um 9:20 Uhr sendet „radio aktiv“ eine Andacht zu diesem Tag von einem der Pastorinnen oder der Pastoren im Kirchenkreis und sonntags mehrere Beiträge zwischen 9 und 10 Uhr
  • Auch auf den Wellen des NDR gibt es täglich kurze geistliche Beiträge.

Lassen Sie sich in diesen Tagen nicht entmutigen – wir brauchen die Nähe im Gebet und in der Andacht.

Wer Hilfe und Unterstützung braucht oder mal sprechen will, kann sich gern telefonisch im Pfarramt melden.

(Tel.: 05151-821751)

 

 

Gottesdienste im März, April und Mai 2020